Offener Brief
- aischafuchs9
- 16. Nov.
- 2 Min. Lesezeit
Offener Brief zur Abschaffung des Fachs Religionswissenschaft – ein Rückschritt für
Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Mit grossem Bedauern und tiefer Sorge nimmt die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) die
Entscheidung zur Kenntnis, die Professur für Religionswissenschaft an der Kultur- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern nicht wieder zu besetzen und damit
das Fach Religionswissenschaft abzuschaffen.
Aus unserer Sicht ist dies nicht nur eine bildungspolitische Kürzung, sondern ein
schwerwiegender Rückschritt mit Folgen für die Integrationsarbeit, die interreligiöse
Zusammenarbeit und das friedliche Zusammenleben im Kanton Luzern.
Unverzichtbare Unterstützung durch das Religionswissenschaftliche Seminar
In den vergangenen über zwanzig Jahren hat die IGL und ihre Vorgängerorganisation VIOKL
eng mit Prof. Dr. Martin Baumann und Dr. Andreas Tunger-Zanetti zusammengearbeitet.
Diese Zusammenarbeit war wegweisend für unsere Arbeit als muslimische Gemeinschaft im Kanton Luzern – sowohl innerhalb der eigenen Strukturen als auch im
gesamtgesellschaftlichen Kontext.
Beispiele aus der Praxis:
Fundierte Projektbegleitung: Das Seminar unterstützte uns fachlich bei der Evaluation
unseres Jugendprojekts und bei der Konzeption von Initiativen wie ClubLibra.
Impulse für Infrastruktur und Seelsorge: Ohne die religionswissenschaftliche Expertise
wäre der Aufbau muslimischer Seelsorge oder die Realisierung des islamischen
Friedhofs in Luzern kaum möglich gewesen.
Verständnis und Differenzierung: Die wissenschaftliche Arbeit half uns, die grosse
kulturelle, sprachliche und theologische Vielfalt innerhalb der muslimischen
Gemeinschaft Luzerns besser zu erfassen – und gleichzeitig unser Selbstverständnis
in der Schweizer Gesellschaft zu stärken.
Ein verheerendes Signal an religiöse Minderheiten
Die Entscheidung zur Abschaffung der Professur und des Fachs trifft insbesondere kleinere
Religionsgemeinschaften hart, für die das Seminar oft der einzige neutrale, wissenschaftlich
fundierte Gesprächspartner war. Es ist ein fatales Signal – gerade in einer Zeit, in der
Polarisierung, Vorurteile und religiöse Pauschalisierungen wieder zunehmen.
Wir sind überzeugt: Die Arbeit des Religionswissenschaftlichen Seminars ist ein
Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Glaubensgemeinschaften – und
damit unverzichtbar für Integration, Toleranz und soziale Kohäsion.
Unser Appell
Wir appellieren an die Verantwortlichen in Universitätsleitung und Politik, diesen Entscheid
nochmals gründlich zu überdenken. Die Schliessung des Seminars mag kurzfristig Kosten
einsparen – langfristig kostet sie aber Vertrauen, Wissen und gesellschaftlichen
Zusammenhalt.
Die Islamische Gemeinde Luzern steht weiterhin zum interreligiösen Dialog und zur
gemeinsamen Verantwortung für ein friedliches Miteinander. Wir hoffen, dass auch die
Universität Luzern diesen Weg mit uns weitergeht



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