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Offener Brief


Offener Brief zur Abschaffung des Fachs Religionswissenschaft – ein Rückschritt für

Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt


Mit grossem Bedauern und tiefer Sorge nimmt die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) die

Entscheidung zur Kenntnis, die Professur für Religionswissenschaft an der Kultur- und

Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern nicht wieder zu besetzen und damit

das Fach Religionswissenschaft abzuschaffen.


Aus unserer Sicht ist dies nicht nur eine bildungspolitische Kürzung, sondern ein

schwerwiegender Rückschritt mit Folgen für die Integrationsarbeit, die interreligiöse

Zusammenarbeit und das friedliche Zusammenleben im Kanton Luzern.


Unverzichtbare Unterstützung durch das Religionswissenschaftliche Seminar

In den vergangenen über zwanzig Jahren hat die IGL und ihre Vorgängerorganisation VIOKL

eng mit Prof. Dr. Martin Baumann und Dr. Andreas Tunger-Zanetti zusammengearbeitet.

Diese Zusammenarbeit war wegweisend für unsere Arbeit als muslimische Gemeinschaft im Kanton Luzern – sowohl innerhalb der eigenen Strukturen als auch im

gesamtgesellschaftlichen Kontext.


Beispiele aus der Praxis:

  • Fundierte Projektbegleitung: Das Seminar unterstützte uns fachlich bei der Evaluation

unseres Jugendprojekts und bei der Konzeption von Initiativen wie ClubLibra.

  • Impulse für Infrastruktur und Seelsorge: Ohne die religionswissenschaftliche Expertise

wäre der Aufbau muslimischer Seelsorge oder die Realisierung des islamischen

Friedhofs in Luzern kaum möglich gewesen.

  • Verständnis und Differenzierung: Die wissenschaftliche Arbeit half uns, die grosse

kulturelle, sprachliche und theologische Vielfalt innerhalb der muslimischen

Gemeinschaft Luzerns besser zu erfassen – und gleichzeitig unser Selbstverständnis

in der Schweizer Gesellschaft zu stärken.


Ein verheerendes Signal an religiöse Minderheiten

Die Entscheidung zur Abschaffung der Professur und des Fachs trifft insbesondere kleinere

Religionsgemeinschaften hart, für die das Seminar oft der einzige neutrale, wissenschaftlich

fundierte Gesprächspartner war. Es ist ein fatales Signal – gerade in einer Zeit, in der

Polarisierung, Vorurteile und religiöse Pauschalisierungen wieder zunehmen.


Wir sind überzeugt: Die Arbeit des Religionswissenschaftlichen Seminars ist ein

Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Glaubensgemeinschaften – und

damit unverzichtbar für Integration, Toleranz und soziale Kohäsion.


Unser Appell

Wir appellieren an die Verantwortlichen in Universitätsleitung und Politik, diesen Entscheid

nochmals gründlich zu überdenken. Die Schliessung des Seminars mag kurzfristig Kosten

einsparen – langfristig kostet sie aber Vertrauen, Wissen und gesellschaftlichen

Zusammenhalt.


Die Islamische Gemeinde Luzern steht weiterhin zum interreligiösen Dialog und zur

gemeinsamen Verantwortung für ein friedliches Miteinander. Wir hoffen, dass auch die

Universität Luzern diesen Weg mit uns weitergeht



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