„O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen ausser Gott. Und wenn sie sich abwenden, so sprechet: ‚Bezeugt, dass wir (Ihm) ergeben sind’.“(1)

"Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift, es sei denn auf beste Art und Weise, ausser mit jenen von ihnen, die unrecht handeln. Und sprecht: <Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe.(2) Und Ihm sind wir ergeben.>“(3)

Als Beispiel für eine gelungene Beziehung der Muslime gegenüber anderen religiösen, ethnischen, kulturellen und zivilisatorischen Traditionen und Gemeinschaften, wo auch immer diese leben mögen, als Individuen oder als Gemeinschaft, zeugt eindrücklich ein Brief des islamischen Propheten an die christlichen Mönche im Katharinenkloster. Dabei handelte es sich keineswegs nur um ein gewöhnliches Edikt über ihre Rechte in einem Land, in dem sie eine Minderheit darstellten. Der Brief richtete sich in zweiter Linie an jeden Muslim als Toleranzgebot für den Umgang mit Menschen anderer religiöser Ausrichtung. Dieser Brief bezweckte nicht nur eine Garantie für damalige Nichtmuslime innerhalb einer muslimischen Gesellschaft, sondern war zugleich eine zeitlose Anweisung. Dadurch sollte es zur eigentlichen raison d`êtreseines Lebens, bis zum letzten Atemzug, werden. Der fragliche Brief hatte folgenden Wortlaut: „…Den Christen, in Ost und West, in der Nähe der islamischen Grenze und weit entfernt von dieser, bekannten und unbekannten, wird die Bürgerschaft erteilt. Sollten sich Mönche oder Einsiedler am Berg oder im Tal, in der Höhle oder im Dorf, in der Ebene oder in der Kirche oder im Gotteshaus einfinden, dann stehen wir hinter ihnen, und sie stehen unter unserem Schutz. Ich werde sie mit meinem Leben, meinen Helfern und meiner Armee verteidigen, sie, ihr Vermögen und ihre Gebetshäuser, denn sie sind meine Untergebenen und geniessen als solche meinen Schutz. Niemand darf ihnen die Reise wohin auch immer verwehren, ihre Gebetshäuser zerstören oder beschädigen oder sich irgendwas aus ihren Häusern zum Nutzen der Muslime aneignen. Ihre Richter, Ordensleute oder andere, die sich mit dem Glauben beschäftigen, werden nicht besteuert. Es werden ihnen auch keine anderen Geldsteuern, Geldstrafen oder Entschädigungen auferlegt, noch wird ihr Vermögen eingezogen, denn ich bin ihr Hüter an Land und auf dem Meer, im Norden und im Westen, im Osten und im Süden; wo auch immer sie sich aufhalten mögen, sie werden vor allem, was ihnen feindlich und unangenehm ist, zur Beteiligung an Kämpfen oder an Waffentransporten verpflichtet, denn die Muslime kämpfen für sie, und sie streiten sich nicht mit ihnen, ausser mit äusserstem Anstand und in Befolgung der Anweisungen des Korans:

 

‚Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift, es sei denn auf beste Art und Weise, ausser mit jenen von ihnen die unrecht handeln. Und sprechet: Wir glauben an das, was zu uns herab gesandt wurde und was zu euch herab gesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe. Und Ihm sind wir ergeben.’(4) 

 

Niemand aus den Reihen der muslimischen Gemeinschaft darf sich bis zum jüngsten Tag und dem Ende des Lebens dieser Urkunde entgegenstellen oder gegen sie verstossen, die Muhammed ibn Abdullah an alle christlichen Gemeinschaften geschrieben hat, unter der Bedingung, dass diese strikte zu erfüllen und anzuwenden sei.“(5)

Dieser Brief wurde vom vierten Khalif Ali ibn Abu Talib geschrieben, nach Diktat von Muhammad, und zwar im Monat Muharramdes zweiten Jahres nach der Hijjra,Er findet sich im Original in Istanbul.

 

„…Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinde, welche die Verse Allahs zur Zeit der Nacht liest und sich niederwirft. Diese Glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen. Und was sie an Gutem tun, es wird ihnen niemals bestritten; und Allah kennt die Gottesfürchtigen.“(6)

 

Möge Gott uns Muslimen, Christen, Juden und alle andere Menschen in dieser Welt helfen, die Herausforderungen von heute in Liebe und gegenseitigen Verständnis in bester art und weise zu überwinden.

1. Der Koran, 3:64.

2. Wörtlich: Einer (arab.:وَاحِدٌ„wahidun“).

3. Der Koran. 29:46.

4. Der Koran, 29:46.

5. Hafizovic,Tolerancija 201-202.

6. Der Koran, 3:113-115.