Entwicklung

Entwicklung der Muslime in der Schweiz

 

In der Schweiz und im Kanton Luzern ist der Islam vor allem seit den grossen Einwanderungswellen aus mehrheitlich islamischen Ländern oder aus Ländern mit grossen islamischen Minderheiten, wie etwa der Türkei, Kosovas, Albaniens, Mazedoniens, Bosniens sowie den nordafrikanischen und arabischen Länder, im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen.

 

Muslime leben seit mehreren Generationen im Kanton Luzern, und viele von ihnen besitzen die schweizerische Nationalität, insbesondere Angehörige der zweiten und dritten Einwanderungsgeneration. Diese jungen Muslime haben die schweizerischen Schulen besucht, Ausbildungen in unserem Kanton absolviert und fühlen sich als Schweizerinnen und Schweizer.

 

Dazu kommt, dass Einflüsse aus dem muslimisch-arabischen Kulturraum und aus einer Reihe von mehrheitlich islamischen Ländern auch den europäischen und schweizerischen Sprach- und Kulturraum mitgeprägt haben.

 

Heute leben in der Schweiz über 450`000 Menschen, die sich zum Islam bekennen. Das sind rund 5% der Wohnbevölkerung. Nach der eidgenössischen Volkszählung im Jahre 2000 lebten über 13'200 Muslime im Kanton Luzern, heute sind es mehr als 17'600.

 

In der Schweiz besitzen schätzungsweise mehr als ein Drittel aller Muslime die schweizerische Staatsbürgerschaft, und die Zahl der Schweizer Muslime nimmt weiter zu. Es ist absehbar, dass in einigen Jahren die Mehrheit der hier lebenden Muslime Schweizer Bürgerinnen und Bürger sein werden. Damit ist klar, dass die islamische Religionsgemeinschaft zu einem festen Bestandteil der schweizerischen Bevölkerung und der schweizerischen Gesellschaft geworden ist.

 

Bereits heute bilden die Muslime – nach den christlichen Glaubensgemeinschaften – die zweitgrösste religiöse Gruppe in der Schweiz.

 

Insbesondere vor diesem sozio-demografischen Hintergrund ist die heutige Lage der Muslime als Religionsgemeinschaft in der Schweiz unbefriedigend. Das zeigt sich in verschiedenen Bereichen:

 

- Die religiösen Institutionen – insbesondere Moscheen, islamische Vereine, Kulturvereine, seelsorgerische Angebote für die muslimischen Gläubigen, Religionsunterricht usw. – sind, wenn überhaupt nur punktuell vorhanden, sehr fragil, abhängig von Einzelpersonen, finanziell nicht gesichert und kaum in den gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen integriert.

 

- Im öffentlichen und medialen Diskurs werden die Muslime und der Islam vorwiegend negativ dargestellt und wahrgenommen. Viele Muslime fühlen sich abgelehnt, in die Ecke von radikaler Gewalt und Terrorismus gedrängt und nicht selten diskriminiert (z.B. Kopftuchstreit).

 

- Auch die Muslime besitzen Anspruch auf Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 15 BV), was nicht nur die individuelle Religionsfreiheit – also das Recht auf den eigenen Glauben – mit einschliesst, sondern auch die kollektive Religionsfreiheit – also das Recht, den islamischen Glauben gemeinsam zu praktizieren – und die korporative Religionsfreiheit – also das Recht, sich selbst als Glaubensgemeinschaft autonom zu organisieren.

 

Besonders der letzte Punkt ist von grosser Bedeutung für die Muslime, weil – im Gegensatz oft stereotypen Bild eines monolitischen Islams – gerade die Muslime in der Schweiz und im Kanton Luzern durch sehr grosse Heterogenität gekennzeichnet sind. Kaum eine andere religiöse Gruppe ist ethnisch, sprachlich, weltanschaulich und sozial dermassen vielfältig strukturiert wie die muslimische Religionsgemeinschaft. Aus diesem Grund sind der Aufbau gemeinsamer Strukturen der Islamischen Gemeinde und der Aufbau eines zentralen Glaubens- und Kulturzentrums im Raum Luzern von grosser Bedeutung.